Samstag, 30. Juni 2007

Nanyuki












Nanyuki schien mir zuerst ein mittelgrosses, staubiges Strassendorf zu sein, welches nicht gerade durch Schönheit besticht. Inzwischen kenne ich die meisten Strassen und Strässchen und mag den Ort nicht schlecht. Es hat unglaublich viele Tankstellen hier, nämlich sechs, drei Supermärkte, die allerdings nicht gerade riesig sind, Geschäfte für Tierfutter und Agrarprodukte im grossen Stil sowie unzählige Stände und Hüttchen mit allem von Sonnenbrillen über Ananas, Jacken, Telefonkarten, Gemüse, Töpfe bis Sandalen. Zu meinem Entsetzen gibt es scheinbar keinen einzigen Buchladen; was sich „Bookshop“ nennt, führt Bibeln und andere religiöse Bände sowie Schulhefte... Glücklicherweise brachte ich in Erfahrung, dass es hier eine Bibliothek gibt und nachdem ich dreimal da war und ein Formular sogar vom „Arbeitgeber“ CETRAD unterschreiben lassen musste, konnte ich endlich Bücher ausleihen! Essensgelegenheiten gibt es hier auch reichlich, viele gleich mit eigener Schlachterei, wo dann ganze gehäutete Ziegen im Schaufenster hängen.
Touristen oder Weisse sieht man hier sporadisch, oft Mitarbeiter von irgendwelchen Organisationen oder einheimische Farmer in riesigen 4x4s. Sinn macht ein geländetaugliches Auto durchaus, die (unasphaltierten) Strassen hier sind wirklich extrem schlecht, schlammig und seifig bei Regen, holprig sowieso und zwar heftig! Auf den Überlandstrassen sind zudem immer wieder nette kleine Schikanen eingebaut zur „Verkehrsberuhigung“; riesige Wälle, die - wenn übersehen – dem Auto und seinen Insassen wohl ernsthaften Schaden zufügen würden. Die Polizei kontrolliert alle paar Kilometer mit Stachelsperren am Boden, auch nicht zum überfahren empfohlen.
Nanyuki ist ein lebhafter, geschäftiger Ort und auf der Terasse des CETRAD zu stehen und dem Treiben zuzuschauen, ist eine nette Pausenbeschäftigung. Irgendwo läuft immer ein Lautsprecher mit Musik oder plärrendem Radio, Tiere werden auf alle möglichen Arten transportiert, Kühe auf dem Pick-Up, Hühner auf dem Fahrrad oder Kopf-nach-unten in der Hand, Ziegen im Matatu (Kleinbus), etc... und die Kapazität eines Gepäckträgers scheint nach oben unbegrenzt.






Dienstag, 26. Juni 2007

Von Elefanten und Chilli...

CETRAD führt ein Projekt, welches mich sehr beeindruckt. Es geht um die Problematik Bauern und Elefanten. Die Elefanten zerstören nicht nur die Ernten der Bauern, sondern können auch eine Bedrohung für deren Leib und Leben darstellen. Auf der anderen Seite sind es natürlich schützenswerte Tiere, welche nicht einfach abgeknallt werden dürfen.
Da nun Elefanten so clever sind, dass sie Elektrozäune entweder mit ihren Stosszähnen (welche ja nicht leitend sind) niederreissen, oder aber Holz zu Hilfe nehmen, um den Zaun zu zerstören oder sich ganz einfach mit ihren acht Tonnen gemütlich auf den Zaunpfosten setzen, musste eine andere Lösung her.
Das Wundermittel heisst Chilli, und wer schon einmal Chilli in die Nase bekommen hat, weiss auch warum. Man stelle sich dieses Brennen nun multipliziert mit der Länge eines Elefantenrüssels vor, autsch. Für diesen abschreckenden Effekt wird Chilli zusammen mit Kuh – oder Elefantendung (Welch eine Ironie – von der eigenen Sch.... in die Flucht geschlagen!) verbrannt und der dabei entstehende Rauch lässt die grauen Riesen bereits in weiter Entfernung die Nase rümpfen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Eine andere, moderne Technologie, könnte man „Telefantenalarm“ nennen. Dazu werden die Rüsseltiere mit einem GPS-Sender ausgestattet und sobald sie sich auf einige Kilometer dem Zaun einer Farm nähern, erhält der Bauer ein SMS (Safaricom Kenya sei dank) und kann reagieren, z. B. mit Schreckschusspistolen. Dank des GPS erfährt man zudem einiges über das Bewegungsverhalten von Dumbo und Co. Ausgeklügelte Geschichte, nicht?

Donnerstag, 21. Juni 2007

Viel Regen und eine Datenbank.....

Nun, was mache ich hier eigentlich acht Stunden pro Tag? Wie erwähnt, geht es in meiner Arbeit darum, Regenintensität und Erosion von verschiedenen Messstationen am und um den Mount Kenya zu analysieren. Da die Daten während 20 Jahre bereits erhoben wurden, besteht meine Arbeit lediglich darin, diese Daten zu überprüfen und allenfalls zu korrigieren und damit die sehr unfangreiche Datenbank zu bereinigen. Diese Regenintensitätsdaten (deren Aufzeichnung man sich ähnlich einem Seismographen vorstellen muss; ein Papierstreifen dreht sich mittels eines Uhrwerks und ein Stift zeichnet die Regenmenge zur jeweiligen Zeit auf) sind nämlich ziemlich heikel und ich habe bereits schon alles Mögliche an Fehlern gefunden, von falschem Datum über vergessen einzutragen, falsch abgelesen, Messgerät eine Störung, Tippfehler und so weiter. Es macht mir sehr Spass, denn es steckt immer ein wenig Detektivarbeit dahinter, herauszufinden, wo der Fehler wohl liegen mag und ob die Daten doch noch brauchbar sein könnten. Ich muss aber auch erwähnen, dass der Grossteil der Daten zum Glück in Ordnung ist, sonst würde ich hier Jahre benötigen...
Wie ihr seht, habe ich ein schönes Büro zu Verfügung mit Internet und ziemlich immer Strom! Der Raum, in welchem meine Daten lagern, mag auf den ersten Blick etwas chaotisch wirken und ich bin erstmal auch leicht erschrocken (sah mich schon alle Ordner einzeln unter die Lupe nehmen!) aber Joseph hat mir glücklicherweise die Zauberliste in die Hand gedrückt, welche jeden Ordner – die alle eine Nummer besitzen und schön der Reihe nach im Regal stehen – beschreibt. Für mich das wichtigste Schriftstück in ganz Ostafrika! :-)

Samstag, 16. Juni 2007

People...

Heute erzähle ich euch etwas über die Leute, welche mich umgeben. Bisher habe ich echt nette Menschen getroffen, wenn es mir auch manchmal etwas schwer fällt, die vielen Gesichter und Namen zu merken...
Beginnen wir mit Denis, welcher mich von Nairobi nach Nanyuki gefahren hat, er ist einer der Fahrer des CETRAD, und hat mir die ersten paar Worte Kisuaheli beigebracht. Leider sind es inzwischen nur unwesentlich mehr geworden... Die Klassiker „wie geht’s, gut und danke“ kann ich aber immer wieder gut gebrauchen, vor allem bei den unzähligen Schulkindern, die sich teilweise regelrecht die Seele aus dem Leib schreien „How aaaaaaaarre yoooouuu?“ – Ein „mzuri, habari?“ bewirkt da Wunder und lässt sie mit grossen Augen ein scheues „mzuri“ erwidern.
Das Büro teile ich mit Ann, einer junge Kartographin, welche sehr hilfsbereit ist und mich auch regelmässig an die Teepause erinnert, wenn ich wieder mal ganz in meine Daten vertieft bin. Sie hört die ganze Zeit Gospelmusik und einige Lieder sind mir schon richtig zu Ohrwürmern geworden. Zusammen mit Ann und Betty, der Sekretärin, gehe ich oft Mittag essen und lasse mir die einzelnen Gerichte erklären, letzthin z. B. Ghiteri, ein Bohnen- und Maiseintopf, welcher nicht schlecht mundete.
Betreut werde ich hier von Philip Kungu, er ist aber eher eine „Notlösung“, da er eigentlich Hydrologe ist und sich weniger mit meinen Regen- und Bodendaten auskennt. Nichtsdestotrotz ist er hilfsbereit und hat mich bereits auf einen seiner Feldeinsätze mitgenommen. Dabei haben wir mehrere Grossfarmen (bis 700 Mitarbeiter!) besucht (allesamt in Besitz von Engländern – und zwar very british!) und die Regenfalldaten der letzten paar Jahre (!) abgeholt, bzw. von Hand abgeschrieben, wenn kein Kopierer vorhanden war... dauerte ein Weilchen.... ich spielte dabei eine Hauptrolle, da Kungu seine Brille vergessen hatte... unabsichtlich, wie er beteuerte hihi.
Den Chef des CETRAD, Boniface Kiteme, habe ich nur kurz in Nairobi getroffen, da er gerade für drei Wochen in die Schweiz verreiste. Ich wurde von Denis im Hotel abgeholt, zum Hilton kutschiert, wo jedes Auto auf Bomben untersucht wird, danach gings mit Kiteme zum Flughafen und wieder zurück ins Hotel.
Die guten Seelen des Hauses, in dem ich wohne, heissen Ben und Cecilia, wohnen etwa 5 min durchs „Gestrüpp“ entfernt und versuchen mir alle kleinen und grösserern Sorgen abzunehmen. Sie entsorgen z. B. den Abfall, obwohl entsorgen wohl das falsche Wort ist, ich befürchte, dass alles in dem säuberlich ausgehobenen Loch neben Bens Haus landet :-S Und all diese Plastiktüten hier werden wohl noch etliche Jahre in den Strassengräben lagern...
Unseren Nachtwächter Godana habe ich bereits erwähnt, er kann etwa soviel Englisch wie ich Kisuaheli, aber sein verschmitztes Lachen ist international verständlich. Er muss ein ganz zäher Bursche sein, denn es ist ein harter Job, die ganze Nacht ums Haus zu patroullieren, vor allem, solange die Regenzeit noch andauert.

Mittwoch, 13. Juni 2007

Living on Lunatic Road.....







Eine Woche bin ich nun hier, in Nanyuki, Kenya, am Äquator auf knapp 2'000 m ü. M. Die Mission lautet Diplomarbeit, dauert bis Mitte August und besteht hauptsächlich darin, Regenintensitätsdaten und Regenabflussdaten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Keine wilden Abenteuer im Busch, sondern mühselige und teilweise knifflige Büroarbeit. Einige Feldeinsätze werde ich mir aber schon noch ergattern!
Was das Leben hier anbelangt, gefällt es mir gut, es ist nicht zu heiss und nachts kühl, so dass ich mich schön gemütlich ins Bett kuscheln kann. Allerdings beginnt die Nacht hier bereits um 7 pm und um 6 h morgens geht’s dann wieder los mit den immergleichen monotonen Sprechgesängen der nahegelegenen Kirche, dann heissts Ohropax rein für eine weitere Stunde Schlaf. Das Häuschen, welches ich bewohne, ist schnuckelig mit Garten, Hunden und Eseln und nachts bewacht uns (da ist noch David, ebenfalls Studi, bewohnt das Gästehaus), unser Watchman Godana mit Pfeil und Bogen.
Ganz alleine bin ich nun doch nicht im Hause, es gibt da noch einiges an Getier, von Ameisen, Heuschrecken, Spinnen bis –ikkk- Ratten. Eine hat doch letzte Nacht glatt die Hälfte meiner Avocado verspeist, dreist, nicht?
Noch ist Regenzeit und heute wurde das zum ersten Mal überdeutlich. Zu meinem Erstaunen verursachte weder der Regen noch ein Gewitter einen Stromausfall. Wenn ich da an Nepal denke, wo schon ein paar Tropfen alles lahmlegten.... Da in der ganzen (Klein)Stadt nur ca. 200 m asphaltiert sind, gestaltete sich der Heimweg ziemlich schlammig und der eine oder andere Schuh zierte den Weg.
Zum Schluss noch einige Worte zum Essen hier. Das Nationalgericht Nyama Choma (grilliertes Fleisch – mit alles - Knochen, etc) habe ich schon gekostet und es war echt gut! Wenn ich schon den grössten Teil der Grillsaison zuhause verpasse.... Mittags lasse ich mir z. B. Pilau, ein indisches Reisgericht, schmecken und die Avocados hier sind etwa doppelt so gross wie die in der Migros :-) und yummie! Tea Time wird hier zudem grossgeschrieben, zweimal pro Tag, find ich gut :-)


Ps. Der Name der Strasse lautet echt Lunatic (verrueckt, irrsinnig) Road, wird aber neuerdings Simba (Löwe) Road genannt